Ein Erlebnisbericht.


Unsere erste grössere Reise mit unserem Wohnmobil Balou ging nach Korsika. Und obwohl wir eigentlich campingerfahren sind, war es dennoch eine Herausforderung mit einem Kleinkind für eine so lange Zeit unterwegs zu sein. Wir hatten die Dauer der möglichen Fahrzeiten überschätzt und die Dauer der nötigen Pausen unterschätzt. Doch nachdem wir uns eingegroovt hatten, hatten wir eine wunderbare Reise. Mit viel Entdecken, Erleben und Kuscheln. Hier erzähle ich euch von unserer Rundreise, die gar keine gewesen ist.

Haltestellen

Start: Zürich, Schweiz

Übernachtung: Como, Italien

Mittagspause: Nahe Parma, Italien

Übernachtung: Livorno, Italien

Fähre: Livorno, Italien, – Bastia, Korsika

Ankunft: Bastia, im Nord-Osten Korsikas

1. Etappenziel: Calvi, im Nord-Westen Korsikas

2. Etappenziel: Solaro, im Osten Korsikas

Zürich – Livorno (7h)

Unsere Reise begann am Abend, nach dem Abendessen und vor dem Schlafen. So dass die Fahrt möglichst komfortabel für unseren kleinsten Passagier sein konnte, weil sie sie einfach verschläft. Dennoch hatten wir uns vorgenommen nicht länger wie 2 bis maximal 3 Stunden am Stück zu fahren und dann eine für Körper und Geist erholsame Pause einzulegen. Denn auch das Schlafen in einem guten Kindersitz ist auf Dauer nicht das gesündeste für den Rücken. Also setzten wir uns das erste Etappenziel auf Como, Italien. Nach etwa 3 Stunden Fahrt hatten wir den vorab auserkoren Wohnmobil-Stellplatz in Como erreicht. Dieser war zwar nicht schön, aber praktikabel. Es gab einerseits Möglichkeiten dort mit unserem Hund spazieren zu gehen und andererseits fühlten wir uns – trotz Ankommen spät in der Nacht – aufgrund der Vielzahl an weiteren Wohnmobilen sicher.

Von Como aus ging es am nächsten Tag weiter nach Livorno. Mit Zwischenstopp in der Nähe von Parma. Dort suchten wir uns einen Stellplatz vor einem grossen Spielplatz inmitten der Natur, so dass wir Kind und Hund ein wenig auspowern konnten. Nach dem Mittagessen und vor dem Mittagsschlaf ging es dann weiter Richtung Livorno.

Livorno – Bastia (4h)

Auch wenn der Hafen Genuas für uns näher gewesen wäre, hatten wir uns für die Fähre ab Livorno entschieden. Die Fähre Genua – Bastia dauert gute 7 Stunden, wohingegen die Fähre Livorno – Bastia nur 4 Stunden dauert. Daher nahmen wir lieber die Fahrtzeit auf uns, und konnten so mehr individuelle Pausen für unseren Hund einlegen. 7 Stunden auf einem Schiff ist für Kind und Hund schon sehr lange. 4 Stunden waren gerade noch okay.

Übernachtungsmöglichkeiten in Livorno sind nett gesagt sehr bescheiden. Es ist eine Hafen- und Industriestadt und das sieht, riecht und fühlt man. Letztenendes haben wir auf einem Parkplatz am Strassenrand in der Nähe des Hafens übernachtet. Wir hatten recht lange damit verbracht etwas besseres ausserhalb der Stadt zu finden, gaben uns dann aber geschlagen. Alle Lichter aus, die Rollos zu, dann ging das schon für eine Nacht.

Wir hatten uns sehr spontan für einen Sommerurlaub auf Korsika entschieden. Aufgrund der Covid-Situation in den einzelnen Ländern, wollten wir flexibel sein und weder uns noch andere in Gefahr bringen. Daher hatten wir erst einige Tage vor Abreise die Fähre von „corsica ferries“ gebucht und hatten Glück ein kostengünstiges Angebot gefunden zu haben. Morgens in der Früh ging es aufs Schiff. Das Schutzkonzept fanden wir persönlich ausreichend. Es wurde von jedem Passagier die Temperatur genommen und sich an die Abstands- und Maskenpflicht gehalten. Wir hatten unser „Lager“ an einem Tisch aufgebaut, da verharrten wir die vier Stunden der Überfahrt und beschäftigten uns mit Buch anschauen, malen und spielen.

Calvi, im Nord-Westen Korsikas.

Nach der Ankunft in Bastia ging es nach kurzem Akklimatisieren schon los. Im Nachhinein war das vielleicht unser erster Fehler. Für unsere Reise hatten wir uns nicht wirklich schlau gemacht über die Insel sondern sind einfach los gefahren, mit der Annahme, dass wir – wie immer – eine Rundreise mit dem Wohnmobil machen. Doch jetzt eben mit Kleinkind. Und das war von der Idee nicht so überzeugt.

Ich hatte einmal über Calvi gelesen, die kleine beschauliche Hafenstadt im Westen von Korsika. Mit Zitadelle und Altstadt, als Ausgangspunkt für Wanderungen und einem flach abfallenden Sandstrand. Das klang gut und wir fanden einen wundervollen kleinen Campingplatz, mit viel Schatten und Zugang zum Meer. Hier verbrachten wir die ersten Nächte, unternahmen Tagesausflüge und liessen unsere Zwerge am Strand toben. Vor allem letzteres, denn für grosse Aktivitäten war es zu heiss und Calvi selbst ist sehr schön, hatten wir aber nach einmal besuchen dann auch gesehen. Doch irgendwie waren wir alle nicht davon überzeugt, uns wieder ins Auto zu setzen und unsere Rundreise fortzusetzen. Gleichzeitig war da aber dieser innerliche Druck, weiter zu reisen, sich zu bewegen, zu erkunden und zu besichtigen. Doch die Westküste erschien auf einmal gar nicht so optimal für Kind und Hund. Der Strand war wild, die Wellen hoch, der Sog recht stark und ich hatte gelernt, das Meer nie zu unterschätzen. Also entschieden wir uns dazu, noch einmal quer über die Insel zu fahren und die Ostküste zu erkunden.

Solaro, im Osten Korsikas.

Wie ihr vielleicht heraus lesen könnt, hatten wir bis anhin eine schöne Zeit, fühlten uns aber getrieben. Wir waren noch nicht so wirklich in unserer typischen „go with the flow“ Urlaubsstimmung angekommen. Das sollte vorerst leider auch so bleiben.

Nach kurzer Zeit hatten wir Solero erreicht. Hafenstadt ist übertrieben, eher ein Dörfchen mit einem Häfchen. Aber ein wunderschöner Campingplatz mit einem noch schönerem Strand. Es gab Plätze quasi direkt auf dem Strand, die Tür zum Meer. In unserem jugendlichen Leichtsinn platzierten wir uns dort am späten Nachmittag. Wir genossen unser Abendessen mit dem Rauschen der Wellen im Hintergrund. Wunderschön, kann ich euch sagen. Am Abend wurden wir vom „Hausschwein“ besucht, das sich zum Glück recht friedlich benahm und so ergab auch die Warnung einen Sinn, keine Lebensmittel vor der Tür aufzubewahren. Das Hausschwein war ein Wildschwein, ein verdammt grosses sogar. Das Schweinchen begrüsste uns jeden Abend und wir beobachteten es mit Freuden aus der Sicherheit unseres Balous heraus.

Am nächsten Tag dann das bittere Erwachen. Überraschenderweise wurde es verdammt heiss ohne Schatten mit Reflexionen des Wassers in der Hitze des Sands in unserem Auto und um unser Auto herum. Und alle Tücher, die ich aufhängte, um Schatten zu spenden, zeigten kaum Erfolg… Also entschieden wir uns dazu, ein wenig weiter in den bewaldeten Bereich des Platzes zu ziehen und dafür vom erholsamen Schatten zu profitieren. Tatsächlich schien das gang und gäbe zu sein – fast alle Familien, die vorher noch am Strand standen, zog es spätestens am nächsten Tag in kühlere Gefilde. Es herrschte eine wundervolle Stimmung auf dem Platz. Der Strand war ideal für Familien mit kleinen Kindern und Hunden und so waren wir bald ein bunt gemischter Haufen, der abends auch gerne mal noch etwas länger zusammen sass. Wir wollten gar nicht mehr weg.

Schönes, warmes Porto Vecchio.

Ich hatte von Porto Vecchio erfahren und wollte die romantische Hafenstadt unbedingt sehen. Ausserdem hatte ich dort von einem Campingplatz auf einem Bauernhof mit Streichelzoo erfahren und wollte dieses Erlebnis gerne unserer Kleinsten mitgeben. Also auf!

Wir besuchten die Stadt und schlängelten uns durch die kleinen Gassen. Hier herrschte das wahre Leben – Musik, Cafés und Kinderlachen. Die autofreie Innenstadt umgeben von den alten Stadtmauern, die hoch oben thronende Zitadelle, der Yachthafen und auch die nahe liegende Saline – Porto Vecchio mit seinen gelben Farben ist warm, offen und freundlich.

Hello again Solaro.

Porto Vecchio ist wunderschön – wir besuchten die Stadt im Laufe unseres Urlaubs noch öfter. Doch der Campingplatz mit Bauernhof und Strand war für uns leider nicht geeignet. Abertausende Muscheln – ein fantastisches Bild – doch für die empfindlichen Pfoten eines Vierbeiners keine Chance, ihn unverletzt zu begehen. Das kam für uns nicht in Frage, sollten doch alle Mitreisende eine schöne Zeit verbringen. Also überlegten wir: was war zu tun. Unsere Tochter wehrte sich lautstark über lange Fahrtzeiten und wir wollten die schönen Tage auch lieber mit ihr am Strand beim Spielen und Erkunden verbringen, anstatt auf der Fahrt bei der Betrachtung von Landschaften, für die sie aufgrund ihres Alters noch keine Bewunderung findet. Also entschieden wir für diesen Abend den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen – wir kehrten um – zu „unserem“ Campingplatz in Solaro.

Dort angekommen erhielten wir wieder einen Platz direkt am Strand – doch diesmal umgeben von den Bäumen im Schatten. Das war unser Moment. Wir stellten Balou ab, packten die Stühle aus und entschieden: hier bleiben wir für den Rest des Urlaubs. Und auch wenn es uns vorher nicht als solches aufgefallen war, fiel auf einmal ein kleines bisschen Hektik und Druck von uns ab.

Mein Dank an dich.

Ich liebe die Bewegung. Das Abenteuer. Das Entdecken von neuen Orten. Aber manchmal darf es eben auch ein kleines bisschen weniger sein. Danke für das Entschleunigen, liebe Tochter.

Und liebes Korsika – wir haben nur einen Bruchteil von dir gesehen. Die Berge, die Wälder, die Flüsse – all das, wofür wir eigentlich zu begeistern wären, haben wir verpasst. Doch es fühlt sich nicht wie eine ungenutzte Gelegenheit an, ganz im Gegenteil. Wir hatten eine wundervolle Zeit als Familie und werden dich bald wieder besuchen kommen. Versprochen.

Ein Wort sei noch gesagt über das Wildcampieren in Korsika. Es ist schlicht nicht möglich. Die Bewohner akzeptieren das nicht und wir für unseren Teil finden, dass wir das zu respektieren haben. Also standen wir – die eigentlich fast immer das wildcampen bevorzugen – jede Nacht auf einem Platz. Und aufgrund der wunderschönen Lage und der Freundlichkeit der Leute war das total in Ordnung.

Du möchtest auch ein paar schöne Tage mit unserem Balou verbringen? Dann schreibe uns über das Kontaktformular oder gehe hier direkt zur Vermietung.

2 Antworten auf „Auf nach Korsika.

  1. Ach ja, Korsika… übrigens auch wunderschön: Sardinien. Wie an anderer Stelle schon geschrieben: mit dem Not-Wohnmobil (VW-Bus: Sitze raus, Unterlage rein, Wohnmobil fertig – Zelt dazu von wegen 3 Kinder). Ich erinner mich noch an eine Fahrt an der Nordküste entlang, das doch sonst sehr stabile Gefährt wurde übel durchgeschüttelt, Panik: das Auto ist kaputt. Dann: der Blick weitet sich, auf das Meer, auf die wild schäumenden Wellen. Ach so, Sturm! Oder eine über die bergigien Inlandstraßen, na, sind wir doch von den Alpen gewöhnt… Oha, aber mit der Randbefestigung, mit Leitplanken oder auch nur Teer bis zum Straßenrand hat man’s hier nicht so. Volle Konzentration des Fahrers… Wer das nicht mag, sollte am Rand bleiben, näher am Meer, aber sonst war’s sehr schön, unbedingt weiterzuempfehlen. Und dann war da der Schildkörtenzoo. Zoo, nur mit Schildkröten, ja. Einschließlich gerade eben aus den Eiern geschlüpfter Jungtiere. Ein Höhepunkt nicht nur für die Kinder.

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